Es gibt da diesen Schüler.
Immer ein wenig aufgekratzt, immer zu einem Scherz aufgelegt ohne je wirklich unverschämt dabei zu sein, der sich gern auch einmal, scheinbar sinnbefrei, in andere Kurse einschmuggelt und dort am Unterricht teilnimmt, ohne dass den Lehrern auffällt, das er dort eigentlich nicht hingehört.
Der vieles hinterfragt und mit seinem Fragen Lehrer teilweise an den Rand ihrer Kompetenz bringt.
Der schon einmal aus dem Unterricht fliegt, weil er sich weigert, eine auf den Unterrichtsstoff bezogene Frage zurück zu stellen, obwohl der Lehrer die Beantwortung von Zwischenfragen nicht zulassen will.
Kein Rowdy, kein Totalverweigerer. Im Gegenteil, er schreibt Einsen und Zweien. Auch kein Außenseiter. Im Gegenteil, er ist beliebt.
Im Grunde ist er bloß Nonkonformist. Vielleicht auch ein wenig Diskordia.
Die Frage eines Lehrers, ob er Drogen nähme, verneint er lächelt und höflich und tut sie als rein rhetorisch ab.
Einen Tag später ruft derselbe Lehrer die Mutter des Schülers an, äußert seinen Verdacht und fordert sie auf, doch jeden morgen die Pupillen ihres Sohnes zu kontrollieren.
Zuerst ist die Mutter wie vor den Kopf gestoßen.
Ihr Sohne, ein Drogenfreak?
Dann aber überkommt sie Ärger auf den Lehrer, auf die Schule.
Nie hat es von deren Seite bisher Tadel oder Rügen ihren Sohn betreffend gegeben. Nichts außer einer milden Rüge, wegen seiner Späße.
Sie wendet sich an den Klassenlehrer und auch er ist fassungslos ob der Verdächtigung. Für ihn gab es bisher nie auch nur einen Anhaltspunkt dafür.
Trotzdem, erst einmal ausgesprochen, steht diese Verdächtigung nun im Raum. Man wird darüber sprechen, im Lehrerzimmer wie in den Kreisen der Schülerschaft, und man wird sich denken: "Vielleicht ist doch etwas dran?"
Weil, komisch benimmt er sich ja, der S. So ganz anders, als all die anderen 500 Schüler.
----Schnitt----
Da gibt es diesen Chefredakteur eines großen öffentlich-rechtlichen Sender.
Jesuitenschüler und studierter Politik- und Rechtswissenschaftler.
Seit 35 Jahren Journalist mit Leib und Seele. Einmal sogar nominiert zur Wahl des Intendanten bei einem lokalen Sender.
Selbstbewusst und aufbrausend, aber stets auf seine Unabhängigkeit pochend. Besonders in Hinblick auf die Freiheit der Berichterstattung. Und das verlangt er auch von seinen Redakteuren.
Ein Ministerpräsident, der zufällig auch das Amt des stellvertretender Vorsitzender im Verwaltungsrat des Senders inne hat, missfällt seine Art.
Möglicherweise missfällt ihm besonders, dass der Chefredakteur und mit ihm seine Redakteure sich auch, im Sinne der Pressefreiheit, nicht immer Positiv über die Arbeit seiner Partei äußert, dessen Jugendorganisation und Kaderschmiede der Medienmann sogar in seiner Jugend einmal angehört hat.
Denn mit Kritik kann er, der Herr Ministerpräsident, so gar nicht umgehen. Er bevorzugt es, wenn die Leute ihm nach dem Munde reden. Deshalb bevorzugt er es auch, wenn seine geistigen "Kinder" in Ämter entsendet werden, die in der augenblicklichen Regierung, deren Mehrheit seine Partei stellt, von Bedeutung sind.
Also macht er in dem Gremium, dem er an zweiter Stelle vorsitzt seinen Einfluss geltend und entfernt den unliebsamen Chefredakteur, gegen den entschiedenen Protest seines Intendanten, noch vor Vertragsauslauf, aus dem Amt.
----Schnitt----
Zwei Dinge, die augenscheinlich nichts mit einander zu tun haben...
Oder doch?
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2009-12-05
2009-08-18
Der Vereinsmeier
Kennen sie den?
Treffen sich zwei Deutsche, gründen sie einen Verein; treffen sich drei, gründen sie einen Verband.
Das ist ja meist nur als scherzhaftes Sinnbild für die deutsche Vereinsbegeisterung gemeint, außerdem braucht man ja zur Gründung eines Vereins immerhin sieben geschäftsfähige Personen. Und damit beginnt dann meist der ganze Ärger.
Man kann wirklich lange über die Sinnhaftigkeit solcher Vereinigungen diskutieren. Es gibt einige, die für mich durchaus Sinn machen, z.B. Sportvereine, Naturschutzvereine oder Rotes Kreuz und freiwillige Feuerwehr.
Im Prinzip finde ich auch die Idee, dass sich Menschen mit gleichen Interessen zusammenschließen, gar nicht so abwegig.
Aber muss es denn dann immer gleich ein eingetragener Verein, am besten noch mit dem Etikett "Gemeinnützigkeit" versehen sein?
Aktueller Auslöser für diese meine Überlegungen war der am Samstag stattfindende Grillabend unserer lockeren Runde von, nennen wir es einmal, Freidenkern. Wir treffen uns so ca. zweimal im Monat zu einem gemütlichen Beisammensein reihum, und philosophieren, bei gutem Essen und Getränken, über das Tagesgeschehen und allerlei weltanschauliche Betrachtungen. Alles sehr entspannt und locker.
Bis eben zum letzten Samstag. Die Gastgeber, ein mir sehr sympathisches Ehepaar, übrigens selbst Mitglieder einer, als Verein eingetragenen, naturreligiösen Gemeinschaft, hatten ihrerseits einen Logiergast, der sich rein thematisch der gleichen Richtung zugehörig fühlte und nun zwecks Kontaktaufnahme am Stammtisch der Herd genannten Regionalgruppierung teilnehmen wollte.
Nicht nur, dass er die Hälfte des Abends gegen die, wie er es nannte, "Wüstenreligionen" wetterte, sie als gebietsfremd und somit abzulehnen abtat und somit jedes normale Gespräch im Keim erstickte, er hob auch ständig hervor, wie das Christentum unsere (?) Feste und Bräuche teils durch Repressalien, teils durch trickreiche Finten im Laufe seines Bestehens vereinnahmt hatte.
Dabei offenbarte er ein sehr eigentümliches, weil einseitiges, Geschichtswissen.
Weder wusste er etwas mit Urchristentum anzufangen, noch wollte er eingestehen, dass eine Reihe von christlichen Feiertagen nicht einem heidnisch-religiösen Kontext entstammten, sondern wie Ostern und Pessach der jüdischen "Mutterreligion". Dergleichen war ihm gänzlich fremd, dass viele heidnische Bräuche im praktizierten Christentum durchaus recht ungezwungen von den jeweiligen Konvertiten in den neuen Glauben eingebracht wurden.
Schlicht, für ihn war alles was mit Monotheismus zu tun hatte, mit List und Tücke, Zwang, Bevormundung und der Verbreitung von Angst und Schrecken verbunden.
Jeden diesbezüglichen Einwand schmetterte er mit der Begründung ab, die jeweilige Person wäre schon indoktriniert (!) und einfach nicht mehr fähig, frei von christlichen(!) Werten zu denken, wobei er weiterhin mit bemerkenswerter Ignoranz brillierte.
Dazu muss ich sagen, dass wir genau zwei bekennende Christen in unserer Mitte haben, der eine ist schon vor Jahren aus der Amtskirche ausgetreten und lebt seither sein persönlich empfundenes Christentum, frei nach den Lehren des unfreiwilligen Religionsstifters. Der andere ist katholischer Theologe und Anhänger der Kantschen Lehren.
Das sind, zusammen mit dem Ehepaar und dem einen Buddhisten, die einzigen fünf Personen, denen man mal eben ein subjektives Etikett anhängen könnte, wenn man das denn wollte.
Über uns übrigen müsste ich hier ganze Romane verfassen, um nur ansatzweise unsere unterschiedlichen Weltanschauungen annähernd korrekt und vollständig darstellen zu können.
Aber wer will das schon. Mich interessiert der Mensch, nicht sein Glaubensbekenntnis. Mich interessiert, was er denkt, sagt, tut, nicht welchen Glaubens er ist.
Nach einer Weile ließ unser Alleinunterhalter dann endlich, nach einem leichten verbalen Schlenker, bei dem auch unsere moslemischen Mitmenschen ihr Fett abkriegten - immerhin war es mir neu, dass sie alle nur auf den Tag X warteten, um hier den Gottesstaat auszurufen und somit Schari'a und Fiqh, diese Ausdrücke kamen von einem von uns(!), einzuführen - die Katze aus dem Sack.
Wir(?) müssten uns endlich organisieren und das ginge am besten mit einem Verein, der unser aller (?) Interessen vertreten könnte.
Da war es also wieder, des Deutschen liebstes Kind, das V-Wort!
Dies warf dann doch ein paar Fragen auf, die ich hier einmal Stichwortartig wiedergeben möchte, jeweils mit den ebenso Stichwortartigen Antworten des Befragten:
Wer ist WIR? - Wir Heiden natürlich!
Welche Heiden meinst du? - Die Anhänger der heidnischen Glaubensrichtungen!
Die da wären? - unvollständiger Aufzählung einiger Neo-paganistischer Gruppierungen
Atheisten gehören auch dazu? - Nein, das sind ja keine Heiden! (???)
Hier folgte eine kleinere, interne, Diskussion über die Definition Heidentum.
Einstimmiger Kontext, auf den wir uns einigten, war die gebräuchliche: Heiden=Nichtangehörige der drei Monotheistischen Religionen, Judentum, Christentum, Islam, wobei sich unser Buddhist vehement weigerte, sich als Heide zu offenbaren und damit eine philosophische Betrachtung einläutete, wie sinnig es überhaupt ist, ein gerade von jenen zur Abgrenzung benutzten Begriff zu nutzen, welche man doch, obgleich ihrer Intoleranz, vehement ablehnt. Es fiel der Begriff Geusenwort [...]
Es folgten weitere Fragen, wie unser Spezi sich das mit dem Verein und der Interessenvertretung des Gesamtheidentums, sobald dies ausreichend definiert wäre, vorgestellt hätte.
Dabei offenbarte er einen erstaunlichen Sachverstand, was die Gründung eines Vereins, nebst Vorstand, Mindestanzahl der benötigten Mitglieder, Satzung und Erlangung des Status "gemeinnützig" betraf, konnte aber beim besten Willen nicht wirklich klar darlegen, was dieser Verein denn nun bezwecken sollte, geschweige denn, wie er das Gesamtheidentum unter einen Hut zu bringen gedachte und worin nun in der Tat die gemeinsamen Interessen bei einer solchen heterogenen, um nicht zu sagen, willkürlichen, Gruppe liegen sollten.
Dafür wußte er aber schon sehr genau über die Formalien der Mitgliedsbeiträge bescheid und verkündete, man bräuchte sich ja nur ein-, zweimal im Jahr zu, wie er es nannte, einem Allthing, also einer Hauptversammlung, zu treffen. Wieso die nun gerade eine aus dem nordischen entlehnte Bezeichnung haben musste, ist mir immer noch schleierhaft.
Mittlerweile hatte das ganze schon stark burleske Züge angenommen, die sich im weiteren Verlauf des Abends so sehr verschärften, dass immer öfters aus Filmen wie "Dogma" oder "Life of Brian" rezitert wurde, was weder dazu angetan war, das Thema im Sinne des Gastes weiter zu vertiefen, auch wenn er, obwohl er gemerkt haben muss, dass kein Interesse unsererseits bestand, nicht aufgab, noch das Niveau überhaupt zu retten.
Ich denke, nicht nur mir kam bei den Bemühungen des, ohne Zweifel unter anderen Umständen recht netten, Menschen, die Überlegung, dass er krampfhaft versuchte, etwas Gleichwertiges zu den etablierten Interessenverbänden, wie dem Zentralräten der Juden oder Muslime in Deutschland auf die Beine zu stellen, wobei da ja schon einmal durch den Glauben eine gemeinsame Basis geschaffen sein dürfte.
Ein weniger freundlicher Gedanke war jedoch, dass er so etwas wie eine Heidnische Kirche als Äquivalent der bereits in Deutschland eingeführten christlichen Kirchenorganisationen im Sinn haben könnte, die ja auch nur Körperschaften des öffentlichen Rechtes darstellen.
Ein unerfreulicher Verdacht war oder vielmehr ist, dass er und seine Mitorganisatoren, denn laut seiner Aussage sind groß angelegte Bestrebungen im Gange, einen solchen Verein ins Leben zu rufen, es den bösen Monos nur einmal richtig zeigen wollen.
Oder, wie es einer von uns so treffend auf den Punkt brachte: "Ich möchte nur mal wissen, welcher Pfarrer ihm einst die Heilige Schrift um die Ohren gehauen hat?"
Genau dies beschäftigt mich seit Samstag:
Er, der Anhänger der nordischen Götter, der Heide, offenbarte an diesem Abend, wie mir auch unser Gastgeber fast beschämt bestätigte, genau das verbiesterte, intolerante und Angst erfüllte Wesen, dass er so ohne weiteres den Angehörigen der monotheistischen, wie er es nicht müde wurde zu erwähnen, eingeschleppten aWüstenreligionen, unterstellte.
Was er da den Abend über betrieb, war genau das, was er eben dem Christentum an lastete, nämlich Missionsarbeit!
Er wollte oder konnte nicht ein einziges mal auf unsere Argumente und Fragen sachlich eingehen, als wir alle noch ernsthaft beim Thema waren, sondern zog vehement sein Ding durch.
Er verallgemeinerte in einer Weise, die schon an Ignoranz und Unhöflichkeit grenzte, nicht nur Christentum und Islam, sondern, und das ist das Schlimmste, auch alle nicht monotheistischen Konzepte und gab den Anschein, als wolle er den Anwesenden in einer unglaubliche Impertinenz erklären, was sie zu sein und was sie zu glauben haben.
Was richtig und was falsch ist.
Das ist Dualismus! Spaltung von Gut und Böse!
Dabei dachte ich, wenn nicht Synkretismus und Transzendenz, so wäre einer der Hauptunterschiede der so populären neopaganistischen Strömungen, so heterogen sie auch sind, eben religiöse Toleranz.
Den anderen sein lassen...
Leider habe ich nun gelernt, dass auch dies nicht für alle "Heiden" zu gelten scheint, und wenn dann nur auf "Gleichgesinnte" Anwendung findet, aber anscheinend nicht ebenfalls auf z.B. Christen oder Moslems.
Definiert man sich und seinen Standpunkt möglicherweise über Feindbilder?
Ich möchte das nicht vertiefen, aber das würde für mich eigentlich nur Sinn machen, wenn ich zwar wüßte, wie ich nicht sein will, aber eben mich selbst noch nicht gefunden habe.
Möglicherweise kompensiert man aber auch mit einer solchen Intoleranz persönlich Verletzungen, die man durch diese als feindlich eingestuften Gruppierungen erlitten hat.
Ich kann dazu nichts sagen, ich war nie in irgendeiner religiösen Gemeinschaft, bin nie getauft oder sonst wie initiiert worden, habe keinerlei religiöse Prägung durch mein Elternhaus erfahren. Meine Eltern haben mich lediglich zu freiem Denken und Nachsicht meinen Mitmenschen gegenüber erzogen.
Ich geben zu, letzteres wurde über die Jahre ist zur Sollbruchstelle strapaziert, aber deshalb verurteile ich nicht ganze, wie auch immer definerte Gemeinschaften.
Des weiteren denke ich die ganze Zeit darüber nach, ob ich wirklich möchte, dass ein Verein, nennen wir ihn nun "Heidentum e.V." oder, besser noch, in Anlehnung an schon bestehende Interessenverbände, "Zentralrat der Heiden in Deutschland" die Stimme für mich, denn laut Definition - Glaubensbekenntnis: ohne - bin ich ja wohl ein Heide, erhebt, nach der Vorstellung am Samstag?
Werbung für alternative Glaubenskonzepte war das mit Sicherheit nicht.
Würde dieser Mann für einen Z.D.H. öffentliche Erklärungen, zum Beispiel in den Medien, tätigen würde, ich möchte über die möglichen Konsequenzen für andere alternativ-religiöse Gruppen gar nicht nachdenken.
Mein Freund, unser Gastgeber am Samstag, sagt mir zwar, dass es schon vieler solcher Bestrebungen gegeben hätte und sie alle im Sande verlaufen wären, eben weil man nicht alle, als heidnisch einzustufenden Strömungen unter einen Hut bringen könnte, aber allein, dass man die Idee trotzdem anscheinend immer wieder ausgräbt, zeigt doch, dass da ein Mangel zu bestehen scheint, an Organisation, an dem Bedürfnis sich Gehör zu verschaffen, vielleicht auch daran, Macht auszuüben.
Aber warum muss es gleich ein Gesamtheidentum sein. Würde ein kleineres Stück vom Kuchen nicht auch tun?
Der Verein, in dem mein Freund Mitglied ist, befasst sich nur mit einer einzigen Richtung und erhebt dabei keinesfalls den Anspruch für alle Anghörigen derselben zu sprechen. Dabei ist das Bundesgebiet mit regionalen Vertretungen doch recht gut abgedeckt. Sie sind ein [...] Verein, nicht der [...] Verein.
Reicht das nicht?
Ich denke gerade, vielleicht, ich sollte auch einen Verein gründen. Mensch e.V. ! Ich traue mich gar nicht, nach zuschauen, am Ende gibt es dergleichen schon...
Treffen sich zwei Deutsche, gründen sie einen Verein; treffen sich drei, gründen sie einen Verband.
Das ist ja meist nur als scherzhaftes Sinnbild für die deutsche Vereinsbegeisterung gemeint, außerdem braucht man ja zur Gründung eines Vereins immerhin sieben geschäftsfähige Personen. Und damit beginnt dann meist der ganze Ärger.
Man kann wirklich lange über die Sinnhaftigkeit solcher Vereinigungen diskutieren. Es gibt einige, die für mich durchaus Sinn machen, z.B. Sportvereine, Naturschutzvereine oder Rotes Kreuz und freiwillige Feuerwehr.
Im Prinzip finde ich auch die Idee, dass sich Menschen mit gleichen Interessen zusammenschließen, gar nicht so abwegig.
Aber muss es denn dann immer gleich ein eingetragener Verein, am besten noch mit dem Etikett "Gemeinnützigkeit" versehen sein?
Aktueller Auslöser für diese meine Überlegungen war der am Samstag stattfindende Grillabend unserer lockeren Runde von, nennen wir es einmal, Freidenkern. Wir treffen uns so ca. zweimal im Monat zu einem gemütlichen Beisammensein reihum, und philosophieren, bei gutem Essen und Getränken, über das Tagesgeschehen und allerlei weltanschauliche Betrachtungen. Alles sehr entspannt und locker.
Bis eben zum letzten Samstag. Die Gastgeber, ein mir sehr sympathisches Ehepaar, übrigens selbst Mitglieder einer, als Verein eingetragenen, naturreligiösen Gemeinschaft, hatten ihrerseits einen Logiergast, der sich rein thematisch der gleichen Richtung zugehörig fühlte und nun zwecks Kontaktaufnahme am Stammtisch der Herd genannten Regionalgruppierung teilnehmen wollte.
Nicht nur, dass er die Hälfte des Abends gegen die, wie er es nannte, "Wüstenreligionen" wetterte, sie als gebietsfremd und somit abzulehnen abtat und somit jedes normale Gespräch im Keim erstickte, er hob auch ständig hervor, wie das Christentum unsere (?) Feste und Bräuche teils durch Repressalien, teils durch trickreiche Finten im Laufe seines Bestehens vereinnahmt hatte.
Dabei offenbarte er ein sehr eigentümliches, weil einseitiges, Geschichtswissen.
Weder wusste er etwas mit Urchristentum anzufangen, noch wollte er eingestehen, dass eine Reihe von christlichen Feiertagen nicht einem heidnisch-religiösen Kontext entstammten, sondern wie Ostern und Pessach der jüdischen "Mutterreligion". Dergleichen war ihm gänzlich fremd, dass viele heidnische Bräuche im praktizierten Christentum durchaus recht ungezwungen von den jeweiligen Konvertiten in den neuen Glauben eingebracht wurden.
Schlicht, für ihn war alles was mit Monotheismus zu tun hatte, mit List und Tücke, Zwang, Bevormundung und der Verbreitung von Angst und Schrecken verbunden.
Jeden diesbezüglichen Einwand schmetterte er mit der Begründung ab, die jeweilige Person wäre schon indoktriniert (!) und einfach nicht mehr fähig, frei von christlichen(!) Werten zu denken, wobei er weiterhin mit bemerkenswerter Ignoranz brillierte.
Dazu muss ich sagen, dass wir genau zwei bekennende Christen in unserer Mitte haben, der eine ist schon vor Jahren aus der Amtskirche ausgetreten und lebt seither sein persönlich empfundenes Christentum, frei nach den Lehren des unfreiwilligen Religionsstifters. Der andere ist katholischer Theologe und Anhänger der Kantschen Lehren.
Das sind, zusammen mit dem Ehepaar und dem einen Buddhisten, die einzigen fünf Personen, denen man mal eben ein subjektives Etikett anhängen könnte, wenn man das denn wollte.
Über uns übrigen müsste ich hier ganze Romane verfassen, um nur ansatzweise unsere unterschiedlichen Weltanschauungen annähernd korrekt und vollständig darstellen zu können.
Aber wer will das schon. Mich interessiert der Mensch, nicht sein Glaubensbekenntnis. Mich interessiert, was er denkt, sagt, tut, nicht welchen Glaubens er ist.
Nach einer Weile ließ unser Alleinunterhalter dann endlich, nach einem leichten verbalen Schlenker, bei dem auch unsere moslemischen Mitmenschen ihr Fett abkriegten - immerhin war es mir neu, dass sie alle nur auf den Tag X warteten, um hier den Gottesstaat auszurufen und somit Schari'a und Fiqh, diese Ausdrücke kamen von einem von uns(!), einzuführen - die Katze aus dem Sack.
Wir(?) müssten uns endlich organisieren und das ginge am besten mit einem Verein, der unser aller (?) Interessen vertreten könnte.
Da war es also wieder, des Deutschen liebstes Kind, das V-Wort!
Dies warf dann doch ein paar Fragen auf, die ich hier einmal Stichwortartig wiedergeben möchte, jeweils mit den ebenso Stichwortartigen Antworten des Befragten:
Wer ist WIR? - Wir Heiden natürlich!
Welche Heiden meinst du? - Die Anhänger der heidnischen Glaubensrichtungen!
Die da wären? - unvollständiger Aufzählung einiger Neo-paganistischer Gruppierungen
Atheisten gehören auch dazu? - Nein, das sind ja keine Heiden! (???)
Hier folgte eine kleinere, interne, Diskussion über die Definition Heidentum.
Einstimmiger Kontext, auf den wir uns einigten, war die gebräuchliche: Heiden=Nichtangehörige der drei Monotheistischen Religionen, Judentum, Christentum, Islam, wobei sich unser Buddhist vehement weigerte, sich als Heide zu offenbaren und damit eine philosophische Betrachtung einläutete, wie sinnig es überhaupt ist, ein gerade von jenen zur Abgrenzung benutzten Begriff zu nutzen, welche man doch, obgleich ihrer Intoleranz, vehement ablehnt. Es fiel der Begriff Geusenwort [...]
Es folgten weitere Fragen, wie unser Spezi sich das mit dem Verein und der Interessenvertretung des Gesamtheidentums, sobald dies ausreichend definiert wäre, vorgestellt hätte.
Dabei offenbarte er einen erstaunlichen Sachverstand, was die Gründung eines Vereins, nebst Vorstand, Mindestanzahl der benötigten Mitglieder, Satzung und Erlangung des Status "gemeinnützig" betraf, konnte aber beim besten Willen nicht wirklich klar darlegen, was dieser Verein denn nun bezwecken sollte, geschweige denn, wie er das Gesamtheidentum unter einen Hut zu bringen gedachte und worin nun in der Tat die gemeinsamen Interessen bei einer solchen heterogenen, um nicht zu sagen, willkürlichen, Gruppe liegen sollten.
Dafür wußte er aber schon sehr genau über die Formalien der Mitgliedsbeiträge bescheid und verkündete, man bräuchte sich ja nur ein-, zweimal im Jahr zu, wie er es nannte, einem Allthing, also einer Hauptversammlung, zu treffen. Wieso die nun gerade eine aus dem nordischen entlehnte Bezeichnung haben musste, ist mir immer noch schleierhaft.
Mittlerweile hatte das ganze schon stark burleske Züge angenommen, die sich im weiteren Verlauf des Abends so sehr verschärften, dass immer öfters aus Filmen wie "Dogma" oder "Life of Brian" rezitert wurde, was weder dazu angetan war, das Thema im Sinne des Gastes weiter zu vertiefen, auch wenn er, obwohl er gemerkt haben muss, dass kein Interesse unsererseits bestand, nicht aufgab, noch das Niveau überhaupt zu retten.
Ich denke, nicht nur mir kam bei den Bemühungen des, ohne Zweifel unter anderen Umständen recht netten, Menschen, die Überlegung, dass er krampfhaft versuchte, etwas Gleichwertiges zu den etablierten Interessenverbänden, wie dem Zentralräten der Juden oder Muslime in Deutschland auf die Beine zu stellen, wobei da ja schon einmal durch den Glauben eine gemeinsame Basis geschaffen sein dürfte.
Ein weniger freundlicher Gedanke war jedoch, dass er so etwas wie eine Heidnische Kirche als Äquivalent der bereits in Deutschland eingeführten christlichen Kirchenorganisationen im Sinn haben könnte, die ja auch nur Körperschaften des öffentlichen Rechtes darstellen.
Ein unerfreulicher Verdacht war oder vielmehr ist, dass er und seine Mitorganisatoren, denn laut seiner Aussage sind groß angelegte Bestrebungen im Gange, einen solchen Verein ins Leben zu rufen, es den bösen Monos nur einmal richtig zeigen wollen.
Oder, wie es einer von uns so treffend auf den Punkt brachte: "Ich möchte nur mal wissen, welcher Pfarrer ihm einst die Heilige Schrift um die Ohren gehauen hat?"
Genau dies beschäftigt mich seit Samstag:
Er, der Anhänger der nordischen Götter, der Heide, offenbarte an diesem Abend, wie mir auch unser Gastgeber fast beschämt bestätigte, genau das verbiesterte, intolerante und Angst erfüllte Wesen, dass er so ohne weiteres den Angehörigen der monotheistischen, wie er es nicht müde wurde zu erwähnen, eingeschleppten aWüstenreligionen, unterstellte.
Was er da den Abend über betrieb, war genau das, was er eben dem Christentum an lastete, nämlich Missionsarbeit!
Er wollte oder konnte nicht ein einziges mal auf unsere Argumente und Fragen sachlich eingehen, als wir alle noch ernsthaft beim Thema waren, sondern zog vehement sein Ding durch.
Er verallgemeinerte in einer Weise, die schon an Ignoranz und Unhöflichkeit grenzte, nicht nur Christentum und Islam, sondern, und das ist das Schlimmste, auch alle nicht monotheistischen Konzepte und gab den Anschein, als wolle er den Anwesenden in einer unglaubliche Impertinenz erklären, was sie zu sein und was sie zu glauben haben.
Was richtig und was falsch ist.
Das ist Dualismus! Spaltung von Gut und Böse!
Dabei dachte ich, wenn nicht Synkretismus und Transzendenz, so wäre einer der Hauptunterschiede der so populären neopaganistischen Strömungen, so heterogen sie auch sind, eben religiöse Toleranz.
Den anderen sein lassen...
Leider habe ich nun gelernt, dass auch dies nicht für alle "Heiden" zu gelten scheint, und wenn dann nur auf "Gleichgesinnte" Anwendung findet, aber anscheinend nicht ebenfalls auf z.B. Christen oder Moslems.
Definiert man sich und seinen Standpunkt möglicherweise über Feindbilder?
Ich möchte das nicht vertiefen, aber das würde für mich eigentlich nur Sinn machen, wenn ich zwar wüßte, wie ich nicht sein will, aber eben mich selbst noch nicht gefunden habe.
Möglicherweise kompensiert man aber auch mit einer solchen Intoleranz persönlich Verletzungen, die man durch diese als feindlich eingestuften Gruppierungen erlitten hat.
Ich kann dazu nichts sagen, ich war nie in irgendeiner religiösen Gemeinschaft, bin nie getauft oder sonst wie initiiert worden, habe keinerlei religiöse Prägung durch mein Elternhaus erfahren. Meine Eltern haben mich lediglich zu freiem Denken und Nachsicht meinen Mitmenschen gegenüber erzogen.
Ich geben zu, letzteres wurde über die Jahre ist zur Sollbruchstelle strapaziert, aber deshalb verurteile ich nicht ganze, wie auch immer definerte Gemeinschaften.
Des weiteren denke ich die ganze Zeit darüber nach, ob ich wirklich möchte, dass ein Verein, nennen wir ihn nun "Heidentum e.V." oder, besser noch, in Anlehnung an schon bestehende Interessenverbände, "Zentralrat der Heiden in Deutschland" die Stimme für mich, denn laut Definition - Glaubensbekenntnis: ohne - bin ich ja wohl ein Heide, erhebt, nach der Vorstellung am Samstag?
Werbung für alternative Glaubenskonzepte war das mit Sicherheit nicht.
Würde dieser Mann für einen Z.D.H. öffentliche Erklärungen, zum Beispiel in den Medien, tätigen würde, ich möchte über die möglichen Konsequenzen für andere alternativ-religiöse Gruppen gar nicht nachdenken.
Mein Freund, unser Gastgeber am Samstag, sagt mir zwar, dass es schon vieler solcher Bestrebungen gegeben hätte und sie alle im Sande verlaufen wären, eben weil man nicht alle, als heidnisch einzustufenden Strömungen unter einen Hut bringen könnte, aber allein, dass man die Idee trotzdem anscheinend immer wieder ausgräbt, zeigt doch, dass da ein Mangel zu bestehen scheint, an Organisation, an dem Bedürfnis sich Gehör zu verschaffen, vielleicht auch daran, Macht auszuüben.
Aber warum muss es gleich ein Gesamtheidentum sein. Würde ein kleineres Stück vom Kuchen nicht auch tun?
Der Verein, in dem mein Freund Mitglied ist, befasst sich nur mit einer einzigen Richtung und erhebt dabei keinesfalls den Anspruch für alle Anghörigen derselben zu sprechen. Dabei ist das Bundesgebiet mit regionalen Vertretungen doch recht gut abgedeckt. Sie sind ein [...] Verein, nicht der [...] Verein.
Reicht das nicht?
Ich denke gerade, vielleicht, ich sollte auch einen Verein gründen. Mensch e.V. ! Ich traue mich gar nicht, nach zuschauen, am Ende gibt es dergleichen schon...
2009-08-05
Es lebe die Demokratie!
Da muss man feststellen, dass die christlichen-"demokratischen" Parteien sich zur Zeit lieber damit die Zeit vertreiben, die Linken zu mobben, die ja durch den freiheitlich-demokratische Offenbarungseid der Regierung gerade mächtig Aufwind bekommen, anstatt sich an die eigene Nase zu packen.
Wie in Solingen, wo der CDU-Ortverband unter Punkt 17 seines Kommunalwahlprogramms, folgendes proklamiert:
Noch besser aber machen es die Kollegen aus Thüringen. Die setzten nun anscheinend, wie Direkte Aktion unter Berufung des von Fefe verlinkten Artikels auf WikiLeaks mitteilte, auf Mitglieder der Jungen Union als Undercoverstörtrupps bei Auftritten des Kandidaten Ramelow (Die Linke).
Schön, wenn schon junge Menschen den Wert einer Demokratie so verinnerlicht haben, wie die JU-Thüringen!
Wie in Solingen, wo der CDU-Ortverband unter Punkt 17 seines Kommunalwahlprogramms, folgendes proklamiert:
17. Demokratischer Ideenwettbewerb „Ja“ – Zusammenarbeit mit Extremisten „Nein“Das wird die, meines Wissens, in Solingen doch sehr erfolgreichen, freie Wählergemeinschaft und die Linkspartei aber freuen, dass sie mit den Rechten in einen Topf geworfen werden, besonders wenn man bedenkt, dass sie es waren, die eine Kandidatur von NPD und diesem Schlunzverein ProNRW erfolgreich verhindert haben. Die spielen also gar nicht mit!
Demokratie lebt vom Wettstreit der Meinungen und der Diskussion - politisch organisiert in Parteien und
Wählervereinigungen. Dieser Grundsatz muss dort seine Grenze finden, wo die Organisation lediglich Mittel zum Zweck ist, um gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung zu agieren. Maßstab für die Einordnung als extremistische Gruppierung sind aus Sicht der CDU Solingen die Erkenntnisse der Verfassungsschutzbehörden von Bund und Ländern.
Die CDU lehnt konsequent jede Zusammenarbeit mit dort unter der Rubrik „Extremismus“ aufgeführten Organisationen ab, unter welchem Deckmäntelchen sie sich auch bewegen mögen.
In Solingen gilt das für „Die Linke“, „Solingen aktiv“ (MLPD), „Pro NRW“ und „NPD“.
Wir werden mit diesen Gruppierungen in keiner Weise zusammenarbeiten, mit ihnen keine gemeinsamen Anträge stellen, ihren Anträgen nicht zustimmen.
Mitgliedern dieser Gruppierungen werden wir nicht in Gremien verhelfen. Dies gilt sowohl für
den Rat als auch alle anderen politischen Gremien in Solingen - aber auch darüber hinaus.
Wir fordern alle anderen demokratischen Parteien und Wählervereinigungen in Solingen auf, es der CDU gleichzutun und ein sichtbares Bündnis für Demokratie in Solingen leben."
Quelle: CDU Solingen
Noch besser aber machen es die Kollegen aus Thüringen. Die setzten nun anscheinend, wie Direkte Aktion unter Berufung des von Fefe verlinkten Artikels auf WikiLeaks mitteilte, auf Mitglieder der Jungen Union als Undercoverstörtrupps bei Auftritten des Kandidaten Ramelow (Die Linke).
Schön, wenn schon junge Menschen den Wert einer Demokratie so verinnerlicht haben, wie die JU-Thüringen!
2009-08-03
Von Schafen und Hirten
Manchmal steige ich gern auf meinen Elfenbeinturm und schaue von diesem herab auf die Welt und die Menschen darin, was meine eigene Person durchaus mit einschließt. Denn auch, wenn ich mich "Misfit" nenne, so bin ich doch nicht wirklich ein Einzelgänger.
Ein Sonderling vielleicht, aber eben kein Außenseiter.
Aber dieses Etikett hat man doch schnell weg, wenn man sich die Eigenschaft erhält, seine Umgebung, das eigene, wie auch das Verhalten der Mitmenschen auch objektiv betrachten zu können.
So wurde mir einmal, vor einiger Zeit, anlässlich einer gruppenrelevanten Freizeitbeschäftigung von einigen "Mitspielern" gerade dies zur Kritik gemacht:
Ich würde mich nicht auf die Situation einlassen, würde mich nicht in die Aktion begeben, nicht agieren, sondern als Beobachter darüber schweben.
Nun, das war zwar in diesem Zusammenhang, es ging um eine Analyse des letzten "Spiels" und den dort vorherrschenden Verhältnissen der Spielerrollen zu einander, schon richtig, nur, und das ist der Punkt, ich bin in jeder Situation durchaus in der Lage, sowohl Akteur als auch Beobachter und das durchaus gleichzeitig, zu sein.
Wie sollte es auch sonst möglich sein, das eigene Verhalten zu beurteilen, Fehler aufzuspüren und abzustellen und somit das eigene Spiel zu verbessern?
Ich kann mein bewußtes Denken ja nicht einfach, auch nicht bei spontanen Aktionen, abstellen und wer mich eben nach einer Einschätzung fragt, bekommt von mir eben genau dies und das so objektiv wie möglich.
Aber vielleicht ist das genau der Punkt:
Es scheint in der heutigen Zeit nicht mehr erwünscht zu sein, zu denken, zu analysieren und zu reflektieren.
Mich beschleicht der böse Verdacht, dass es vielen angebrachter erscheint, Lemmingen gleich, dem Leittier zu folgen ohne auch nur einen Gedanken an die möglichen Konsequenzen, für sich selbst, aber auch für sein Umfeld, zu verschwenden.
Denn wer will schon gerne daran erinnert werden, dass er für seine Handlungen im Grunde immer selbst verantwortlich ist, auch für seine Unterlassungen und sein passives Verhalten?
Aber dazu gehört eben auch eine gute Portion Mut und die Gabe, selbstkritisch zu hinterfragen, wieviel an dem Schlamassel, in den man so gerät, auf eigenes Verschulden zurück zu führen ist.
Bequemer ist es natürlich dann, mit dem Finger auf jemanden zeigen und sagen zu können: "Er war's!"
Schön, wenn man dann ein Lemming, oder besser, ein Schaf ist. Dann kann man dem Schäfer die Schuld in die Schuhe schieben.
Schlecht, wenn man sich in seiner Selbstüberschätzung für einen Schäfer, the leader of the pack, hält.
Dann trifft einen die Keule der Konsequenz meistens besonders hart, denn über einem sieht man ja in der Hierachie niemand mehr. Man steht ja, nach eigener Meinung, am Ende der Nahrungskette.
Diese "Führer" verweisen dann meist auf ihre ergebene Gefolgschaft und versteifen sich darauf, dass es eben ihr Versagen, ihre Unfähigkeit, Ratschläge oder Anordnungen zu befolgen war, die den Karren in den Mist hat fahren lassen.
"Ich hab doch gesagt..., aber ihr wolltet ja nicht hören!"
Besonders bitter trifft es aber jene, die sich zwar für Leithammel halten, aber leider dabei übersehen, dass sie über gar keine Herde verfügen - wenn sich diese als bloße Illusion erweist und sie erkennen müssen, dass sie ihre "Mitläufer" gehörig unterschätzt haben.
Dann wird aus Ernüchterung leicht Verbitterung und aus einem Zerwürfnis meist ein handfester Rosenkrieg. Wobei die Intensität dieser Konsequenzen sich in dem Maße pontenziert, in dem sich der enttäuschte Möchtergern-Anführer vorher in seine Rolle hineingesteigert hat, besonders, wenn er zu allem Überfluss auch noch erkennen muss, dass die angeblich "fügsamen Schafe" sich schon vorher über dessen Felhleinschätzung seine Person betreffend im Klaren waren und nun, ob der verbittert bis hämischen Reaktion und möglicherweise als letzte Rettung für das Selbstwertgefühl des gefallenen "Herrschers", an den Haaren herbeigezogener konspirativer Verschwörungteorien, nur müde lächelnd abwinken.
So betrachtet bin ich doch eigentlich froh darüber, ein Misfit, ein Außenseiter, zu sein, der sich tunlichst aus solcherlei Tänzen heraushält und sie lieber aus gebürendem Abstand beobachtet und sie lediglich aus sozialpsychologischem Interesse zur Kenntnis nimmt.
Ein Sonderling vielleicht, aber eben kein Außenseiter.
Aber dieses Etikett hat man doch schnell weg, wenn man sich die Eigenschaft erhält, seine Umgebung, das eigene, wie auch das Verhalten der Mitmenschen auch objektiv betrachten zu können.
So wurde mir einmal, vor einiger Zeit, anlässlich einer gruppenrelevanten Freizeitbeschäftigung von einigen "Mitspielern" gerade dies zur Kritik gemacht:
Ich würde mich nicht auf die Situation einlassen, würde mich nicht in die Aktion begeben, nicht agieren, sondern als Beobachter darüber schweben.
Nun, das war zwar in diesem Zusammenhang, es ging um eine Analyse des letzten "Spiels" und den dort vorherrschenden Verhältnissen der Spielerrollen zu einander, schon richtig, nur, und das ist der Punkt, ich bin in jeder Situation durchaus in der Lage, sowohl Akteur als auch Beobachter und das durchaus gleichzeitig, zu sein.
Wie sollte es auch sonst möglich sein, das eigene Verhalten zu beurteilen, Fehler aufzuspüren und abzustellen und somit das eigene Spiel zu verbessern?
Ich kann mein bewußtes Denken ja nicht einfach, auch nicht bei spontanen Aktionen, abstellen und wer mich eben nach einer Einschätzung fragt, bekommt von mir eben genau dies und das so objektiv wie möglich.
Aber vielleicht ist das genau der Punkt:
Es scheint in der heutigen Zeit nicht mehr erwünscht zu sein, zu denken, zu analysieren und zu reflektieren.
Mich beschleicht der böse Verdacht, dass es vielen angebrachter erscheint, Lemmingen gleich, dem Leittier zu folgen ohne auch nur einen Gedanken an die möglichen Konsequenzen, für sich selbst, aber auch für sein Umfeld, zu verschwenden.
Denn wer will schon gerne daran erinnert werden, dass er für seine Handlungen im Grunde immer selbst verantwortlich ist, auch für seine Unterlassungen und sein passives Verhalten?
Aber dazu gehört eben auch eine gute Portion Mut und die Gabe, selbstkritisch zu hinterfragen, wieviel an dem Schlamassel, in den man so gerät, auf eigenes Verschulden zurück zu führen ist.
Bequemer ist es natürlich dann, mit dem Finger auf jemanden zeigen und sagen zu können: "Er war's!"
Schön, wenn man dann ein Lemming, oder besser, ein Schaf ist. Dann kann man dem Schäfer die Schuld in die Schuhe schieben.
Schlecht, wenn man sich in seiner Selbstüberschätzung für einen Schäfer, the leader of the pack, hält.
Dann trifft einen die Keule der Konsequenz meistens besonders hart, denn über einem sieht man ja in der Hierachie niemand mehr. Man steht ja, nach eigener Meinung, am Ende der Nahrungskette.
Diese "Führer" verweisen dann meist auf ihre ergebene Gefolgschaft und versteifen sich darauf, dass es eben ihr Versagen, ihre Unfähigkeit, Ratschläge oder Anordnungen zu befolgen war, die den Karren in den Mist hat fahren lassen.
"Ich hab doch gesagt..., aber ihr wolltet ja nicht hören!"
Besonders bitter trifft es aber jene, die sich zwar für Leithammel halten, aber leider dabei übersehen, dass sie über gar keine Herde verfügen - wenn sich diese als bloße Illusion erweist und sie erkennen müssen, dass sie ihre "Mitläufer" gehörig unterschätzt haben.
Dann wird aus Ernüchterung leicht Verbitterung und aus einem Zerwürfnis meist ein handfester Rosenkrieg. Wobei die Intensität dieser Konsequenzen sich in dem Maße pontenziert, in dem sich der enttäuschte Möchtergern-Anführer vorher in seine Rolle hineingesteigert hat, besonders, wenn er zu allem Überfluss auch noch erkennen muss, dass die angeblich "fügsamen Schafe" sich schon vorher über dessen Felhleinschätzung seine Person betreffend im Klaren waren und nun, ob der verbittert bis hämischen Reaktion und möglicherweise als letzte Rettung für das Selbstwertgefühl des gefallenen "Herrschers", an den Haaren herbeigezogener konspirativer Verschwörungteorien, nur müde lächelnd abwinken.
So betrachtet bin ich doch eigentlich froh darüber, ein Misfit, ein Außenseiter, zu sein, der sich tunlichst aus solcherlei Tänzen heraushält und sie lieber aus gebürendem Abstand beobachtet und sie lediglich aus sozialpsychologischem Interesse zur Kenntnis nimmt.
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